
Einschätzung des IAB zur wirtschaftlichen Lage – Februar 2020
Das deutsche Wirtschaftswachstum stagnierte im Schlussquartal 2019. Für das Gesamtjahr ergibt sich damit ein moderates Wachstum von 0,6 Prozent. Für…

Das Wachstum der Weltwirtschaft ist nach einem Dämpfer zu Jahresbeginn wieder etwas schwungvoller geworden. In den USA konnte das BIP im zweiten Quartal um kräftige 1 Prozent zulegen. Die Eurozone setzt ihren moderaten Aufwärtstrend mit einem Plus von 0,4 Prozent fort. Die zukünftige Entwicklung der Weltwirtschaft dürfte allerdings im Zuge der weltweiten Handelskonflikte verhaltener sein.
Nach einem schwachen ersten Quartal mit Rückgängen bei Ex- und Importen hat sich der deutsche Außenhandel im zweiten Quartal etwas besser entwickelt. Die Exporte nahmen um moderate 0,7 Prozent zu, die Importe konnten sogar um 1,7 Prozent zulegen. Die Erwartungen der Exporteure im Verarbeitenden Gewerbe sind verhalten positiv, haben sich am aktuellen Rand nach deutlichen Rückgängen zu Jahresbeginn aber stabilisiert.
Die Anlageinvestitionen haben sich im zweiten Quartal verhaltener entwickelt als noch zu Jahresbeginn. Die Ausrüstungsinvestitionen nahmen um moderate 0,3 Prozent zu, die Bauinvestitionen um 0,6 Prozent. Im ersten Quartal hingegen wurden kräftigere Wachstumsraten von 2,3 und 1,6 Prozent verzeichnet. Hierbei könnte durch Vorzieheffekte auch der relativ gemäßigte Winter eine Rolle gespielt haben. Trotz eines guten Umfelds für Investitionen aufgrund niedriger Finanzierungsbedingungen und ausgelasteter Kapazitäten hemmt politische Unsicherheit die weitere Entwicklung. Die Aussichten der Investitionsgüterproduzenten haben sich zuletzt stabilisiert und zeigen nun ein verhalten positives Wachstum für die nächsten Monate an.
Der Konsum bleibt eine Stütze des BIP-Wachstums. Der private Konsum nahm im zweiten Quartal um 0,3 Prozent zu. Der Aufwärtstrend setzt sich fort, da zunehmende Beschäftigung und Entlohnung die steigenden Preise kompensieren. Die Inflationsrate lag in den letzten Monaten nahe am Inflationsziel der Europäischen Zentralbank von 2 Prozent. Der staatliche Konsum stieg um 0,6 Prozent, nachdem dieser im ersten Quartal rückläufig war. Die Erholung im zweiten Quartal ist also auch als Gegenbewegung – auch infolge der verzögerten Regierungsbildung – einzuordnen. Hohe staatliche Finanzierungsüberschüsse geben zusätzlichen Spielraum für die zukünftige Entwicklung.
Der Arbeitsmarkt bleibt in sehr guter Verfassung. Die Erwerbstätigkeit nimmt stetig zu, insbesondere im Bereich der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung. Die Arbeitslosigkeit geht zurück. Noch stärker sinkt die Unterbeschäftigung, die zusätzlich unter anderem Personen in arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen berücksichtigt. Die Dynamik im Arbeitsmarkt hat sich im Vergleich zum starken Vorjahr aber abgeschwächt. Das IAB-Arbeitsmarktbarometer ist im August den fünften Monat in Folge gefallen, wenn auch nur leicht um 0,1 Punkte. Die Aussichten bei der Arbeitslosigkeit haben sich leicht verschlechtert, der Frühindikator liegt aber insgesamt weiter auf einem guten Niveau von 103,5 Punkten.

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