
Einschätzung des IAB zur wirtschaftlichen Lage – Juli 2022
Der Krieg in der Ukraine, Lieferengpässe und Preiserhöhungen belasten die wirtschaftliche Entwicklung. Hinzu kommen Risiken aufgrund der unklaren…

Auch das globale Umfeld spürte einen Einbruch der Konjunkturdynamik durch die zweite Welle der Covid-19-Pandemie und die damit verbundenen Eindämmungsmaßnahmen. In der Europäischen Union nahm das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im vierten Quartal 2020 um 0,4 Prozent ab, da insbesondere in Frankreich (-1,3 %), Italien (-2,0 %), Polen (-0,7 %), den Niederlanden (-0,1 %) und Österreich (-4,3 %) Rückgänge zu verzeichnen waren. Die USA verzeichneten ein geringes Wachstum von 1,0 Prozent. In China ist die Wirtschaft um 2,6 Prozent gewachsen, aber auch hier fiel das Wachstum im Vergleich zum Vorquartal etwas niedriger aus.
Der deutsche Außenhandel stütze das Wirtschaftswachstum im Schlussquartal. Der Export konnte um 4,5 Prozent zulegen. Der Import stieg mit 3,7 Prozent etwas weniger stark, aber dennoch deutlich. Die Exporterwartungen des Verarbeitenden Gewerbes zogen im Februar nochmals an und liegen zunehmend über dem Vorkrisenniveau.
Wachstumsimpulse gingen im vierten Quartal auch von den Investitionen aus. Dies lag aber nur am Bau: Während die Investitionen in Ausrüstungen leicht um 0,1 Prozent zurückgingen, legten die Bauinvestitionen um 1,8 Prozent zu. Die Einschätzung der aktuellen Geschäftslage sowie die Erwartung an die zukünftige Lage der Investitionsgüterproduzenten haben sich im Februar nochmals sichtlich aufgehellt. Das Geschäftsklima im Bauhauptgewerbe verbesserte sich ebenfalls.
Der Konsum wurde durch den zweiten Lockdown massiv gedämpft. Im vierten Quartal 2020 sank der private Konsum um 3,3 Prozent. Und auch der Staatskonsum, der den Konsum bis zuletzt stützte, gab im Schlussquartal um 0,5 Prozent gegenüber dem Vorquartal nach. Die Beschlüsse zu den Öffnungen im März könnten positive Impulse setzen, wobei das Risiko einer steigenden Infektionsdynamik bleibt. Das Konsumklima zeigte sich bis in den Januar gedämpft, die Sparneigung steigt. Die Bundesregierung gewährt umfangreiche Stützungspakete, das Risiko zusätzlicher Insolvenzen im Jahr 2021 bleibt aber hoch – wenn auch eine immense Pleitewelle nicht unbedingt zu erwarten ist.
Der Arbeitsmarkt zeigt sich in der zweiten Corona-Welle bislang robust. Auch wenn Beschäftigung und Arbeitslosigkeit noch immer weit entfernt vom Vorkrisenniveau sind, konnte die Beschäftigung bis zuletzt wieder zunehmen. Der Rückgang der Arbeitslosigkeit wurde hingegen unterbrochen, denn die Arbeitslosigkeit stieg im Februar erstmals seit Juli wieder. Auch die Zahl der angezeigten Beschäftigten in Kurzarbeit steigt wieder deutlich, aber weniger drastisch als im Frühjahr 2020. Das IAB-Arbeitsmarktbarometer stieg im Februar 2021 um 0,7 Punkte auf einen Stand von 100,9 und zeigt damit einen verbesserten Ausblick auf die Arbeitsmarktentwicklung. Treiber sind unter anderem die Aussichten auf mögliche Lockerungen und die voranschreitenden Impfungen.

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