
Einschätzung des IAB zur wirtschaftlichen Lage – Februar 2020
Das deutsche Wirtschaftswachstum stagnierte im Schlussquartal 2019. Für das Gesamtjahr ergibt sich damit ein moderates Wachstum von 0,6 Prozent. Für…

Die Entwicklung der Weltwirtschaft hat insgesamt an Dynamik verloren. Der konjunkturelle Ausblick trübt sich durch die Handelskonflikte zunehmend ein. In der Eurozone wurde im ersten Quartal 2018 nur noch ein Wachstum von 0,4 Prozent verzeichnet, nachdem sich die Konjunktur im Vorjahr schwungvoller entwickelt hatte. Die US-amerikanische Konjunktur hingegen gibt (noch) überwiegend positive Wachstumsimpulse. Ob die jüngste Annäherung von EU und USA dauerhafte Ergebnisse erbringt, bleibt abzuwarten.
In dieser Gemengelage hat der deutsche Außenhandel an Schwung eingebüßt. Bei den Exporten zeichnet sich nach einem schwachen ersten Quartal (-1,0 %) im zweiten Quartal eine etwas bessere Entwicklung ab. Die Exporterwartungen im Verarbeitenden Gewerbe haben sich im Juli stabilisiert, nachdem sie seit Vorjahresende stetig gesunken sind. Die Importe waren wie die Exporte im ersten Quartal rückläufig; sie gingen um 1,1 Prozent zurück.
Wachstumsimpulse kommen hingegen von der binnenwirtschaftlichen Nachfrage, zum einen von den Investitionen: Im ersten Quartal stiegen die Bauinvestitionen deutlich an (+2,1 %) und auch die Ausrüstungsinvestitionen nahmen zu (+1,2 %). Die Unsicherheit durch die internationalen Handelskonflikte führt allerdings am aktuellen Rand zu abnehmender Dynamik bei den Investitionen. Die Einschätzung der Geschäftslage durch die Investitionsgüterproduzenten ist aufgrund der hohen Auslastung der Produktionskapazitäten gut, aber rückläufig. Die Erwartungen zeigen eine verhaltenere Entwicklung in den nächsten Monaten an.
Die binnenwirtschaftliche Nachfrage wird zum anderen durch den privaten Konsum gestärkt. Durch steigende Beschäftigung und Löhne konnte dieser im ersten Quartal um 0,4 Prozent zulegen. Das Konsumklima ist weiter sehr gut, auch wenn es zuletzt von sehr hohem Niveau aus zu leichten Rückgängen kam. Der private Konsum dürfte seine positive Entwicklung somit trotz zunehmender Preissteigerungen fortsetzen. Der Staatskonsum ist im ersten Quartal zum ersten Mal seit mehreren Jahren gesunken (-0,5 %), dürfte sich aber im Jahresverlauf wieder positiv entwickeln.
Die Lage am Arbeitsmarkt bleibt gut. Die Beschäftigung steigt, wenn auch mit etwas weniger Schwung als im Vorjahr. Die Arbeitslosigkeit sinkt etwas, allerdings stagniert die Zahl der Meldungen in der Arbeitslosenversicherung. Dies deutet darauf hin, dass sich die konjunkturelle Abflachung in moderatem Ausmaß auch im Arbeitsmarkt bemerkbar macht. Die Arbeitsnachfrage bleibt aber hoch. Das IAB-Arbeitsmarktbarometer sinkt im Juli gegenüber dem Vormonat zum vierten Mal in Folge. Mit 0,1 Punkten ist aber nur noch ein geringfügiger Rückgang zu verzeichnen. Damit liegt der Frühindikator bei einem noch immer guten Niveau von 103,5 Punkten.

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