
Einschätzung des IAB zur wirtschaftlichen Lage – Februar 2020
Das deutsche Wirtschaftswachstum stagnierte im Schlussquartal 2019. Für das Gesamtjahr ergibt sich damit ein moderates Wachstum von 0,6 Prozent. Für…

Das außenwirtschaftliche Umfeld bleibt durchwachsen. Die Konjunkturerwartungen in der Eurozone sind pessimistisch, was nicht nur an einer allgemeinen Abflachung der Konjunktur liegt, sondern auch an den aktuellen Entwicklungen im Vereinigten Königreich. In Europa nimmt die Sorge über einen ungeregelten Austritt des Vereinigten Königreichs aus der Europäischen Union wieder zu. Die Erwartungen an die konjunkturelle Lage in den USA haben sich zuletzt etwas aufgehellt, nicht zuletzt aufgrund möglicher Zinssenkungen der amerikanischen Notenbank.
Der deutsche Außenhandel verliert an Schwung. Im ersten Quartal 2019 leistete der Außenhandel einen positiven Wachstumsbeitrag. Gegenüber dem Vorquartal wuchsen die Exporte mit 1,0 Prozent stärker als die Importe mit 0,7 Prozent. Im zweiten Quartal wird mit einem geringeren Einfluss gerechnet, denn im April und Mai fielen sowohl die Exporte als auch die Importe im Durchschnitt niedriger aus als in den Monaten des Vorquartals. Und auch die Exporterwartungen im Verarbeitenden Gewerbe geben am aktuellen Rand nach.
Die Investitionen haben im ersten Quartal 2019 zugelegt (Ausrüstungsinvestitionen +1,2 %, Bauinvestitionen +1,9 %). Diese Entwicklung dürfte sich im zweiten Quartal abgeflacht haben, denn die Auftragseingänge der Investitionsgüterproduzenten gehen seit Beginn des Jahres tendenziell zurück. Zwar befindet sich der Umsatz auf hohem Niveau und nahm am aktuellen Rand geringfügig zu, doch die aktuelle Geschäftslage wird von den Unternehmen als deutlich schlechter beurteilt. Insbesondere die Produktion im Baugewerbe fiel im zweiten Quartal vermutlich schwächer aus. Dennoch befindet sich das Geschäftsklima im Bauhauptgewerbe auf hohem Niveau und konnte am aktuellen Rand sogar etwas zulegen.
Auch der private Konsum, der im ersten Quartal die binnenwirtschaftliche Nachfrage stärkte (+1,2 % gegenüber dem Vorquartal), dürfte sich abgeflacht haben, da die Nachholeffekte in der Automobilindustrie auslaufen. Stützend wirken die steigenden Einkommen der privaten Haushalte aufgrund der noch guten Beschäftigungslage am Arbeitsmarkt. Das Konsumklima trübt sich ein, doch die Anschaffungsneigung bleibt hoch. Die Umsätze im Einzelhandel geben am aktuellen Rand nach, befinden sich aber trotzdem auf hohem Niveau.
Die konjunkturelle Abkühlung zeigt sich auch am Arbeitsmarkt. Wie in den letzten Monaten, ist auch diesen Monat der Zuwachs der Beschäftigung geringer und die Arbeitslosigkeit stagniert. Die Arbeitskräftenachfrage scheint rückläufig, denn der Bestand offener Stellen nimmt ab und auch weniger neue Stellen werden gemeldet. Das IAB-Arbeitsmarktbarometer signalisiert mit einem Stand von 101,6 Punkten noch gute Aussichten. Aber auch hier zeigt sich seit mehreren Monaten ein Rückgang beider Komponenten. Besonders für die Arbeitslosigkeit zeigt der Frühindikator pessimistische Erwartungen.

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