
Einschätzung des IAB zur wirtschaftlichen Lage – Februar 2020
Das deutsche Wirtschaftswachstum stagnierte im Schlussquartal 2019. Für das Gesamtjahr ergibt sich damit ein moderates Wachstum von 0,6 Prozent. Für…

Die Weltwirtschaft befindet sich in einer Schwächephase. Diese trifft – ausgelöst unter anderem durch den anstehenden Brexit und Handelskonflikte – insbesondere Europa und China. In Europa geht dies vor allem auf die schlechte Entwicklung in Deutschland und Italien zurück. Aber auch in den USA hat sich die konjunkturelle Dynamik zuletzt verlangsamt. In den Schwellenländern, in denen sich im letzten Jahr das Wachstum eher verhalten entwickelt hat, dürfte dieses in Zukunft wieder etwas anziehen.
In diesem Umfeld haben sich die deutschen Exporte im zweiten Halbjahr 2018 insgesamt schlecht entwickelt (-0,9% im dritten, +0,7% im vierten Quartal). Zum Jahreswechsel konnten die Ausfuhren zulegen. Dies könnte bedeuten, dass es im laufenden Quartal positivere Impulse gibt. Im weiteren Verlauf dürften sich die Exporte angesichts des politisch unsicheren internationalen Umfelds nur verhalten entwickeln. Im vergangenen Jahr legten die Importe um 1,3 Prozent beziehungsweise 0,7 Prozent im dritten und vierten Quartal zu. Dies dürfte sich dank einer robusten Nachfrage nach Konsum- und Investitionsgütern im Inland so fortsetzen.
Die Investitionstätigkeit hat im Schlussquartal 2018 nach einer Schwächephase über den Sommer wieder etwas zulegen können (+0,7% bei den Ausrüstungs-, +1,3% bei den Bauinvestitionen). Diese Zahlen spiegeln indes nur unzureichend wider, dass sich die Investitionen bei den privaten Unternehmen noch deutlich besser entwickelt haben, während die staatlichen Investitionen zurückgefahren wurden. Auch der Jahresauftakt verlief insgesamt gut. Die Umsätze der Investitionsgüterproduzenten sind am aktuellen Rand angestiegen und auch die Auftragseingänge befinden sich auf einem hohen Niveau. Dies erklärt sich durch die hohe Kapazitätsauslastung in der Gesamtwirtschaft, die allerdings seit dem Sommer leicht zurückgeht. Trotz guter Finanzierungsbedingungen dürften sich die Investitionen in Zukunft aber aufgrund schwächerer Konjunktur und hoher Unsicherheiten wieder etwas verhaltener entwickeln.
Der konjunkturelle Dämpfer in der zweiten Jahreshälfte 2018 hat sich auch beim privaten Konsum bemerkbar gemacht (-0,3% im dritten, +0,2% im vierten Quartal). Der Start in das neue Jahr verlief hingegen dynamischer. Der Umsatz im Einzelhandel konnte zuletzt zulegen und auch das Konsumklima befindet sich, trotz eines kleinen Dämpfers am aktuellen Rand, auf hohem Niveau. Dazu tragen auch die geringeren Ölpreise bei, die die Preissteigerung dämpfen. Auch aufgrund steigender Einkommen der privaten Haushalte dürfte sich der private Konsum weiter gut entwickeln. Der staatliche Konsum nahm zuletzt deutlich zu (+1,6% im vierten Quartal). Dies dürfte sich aufgrund expansiver Wirkungen aktueller Gesetzesänderungen fortsetzen.
Der Aufschwung am Arbeitsmarkt setzt sich fort. Trotz des Konjunkturdämpfers steigt die Beschäftigung angesichts zunehmender Knappheiten am Arbeitsmarkt weiter, Arbeitslosigkeit und Unterbeschäftigung nehmen ab. Allerdings hat sich das Tempo des Aufschwungs verlangsamt. Das IAB-Arbeitsmarktbarometer ist im März den vierten Monat in Folge gefallen und steht nun bei 103,0 Punkten. Die einzelnen Komponenten zeigen an, dass der Abbau der Arbeitslosigkeit in den nächsten drei Monaten weiter an Schwung verlieren wird, während sich der Beschäftigungsaufbau fortsetzt.

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