
Einschätzung des IAB zur wirtschaftlichen Lage – Februar 2020
Das deutsche Wirtschaftswachstum stagnierte im Schlussquartal 2019. Für das Gesamtjahr ergibt sich damit ein moderates Wachstum von 0,6 Prozent. Für…

Die Weltkonjunktur bleibt gedämpft. Die durch die USA ausgelösten Handelskonflikte spitzten sich erneut zu. So wurden vonseiten der USA im Oktober neue Zölle auf EU-Produkte erhoben. In den Brexit-Verhandlungen gibt es zwar mittlerweile ein neu ausgehandeltes Austrittsabkommen, allerdings besteht weiterhin Unsicherheit darüber, ob und wann dieses ratifiziert werden könnte. In dieser Gemengelage haben sich sowohl die aktuelle Lage als auch die Erwartungen an die Konjunktur am aktuellen Rand weiter eingetrübt.
Die gedämpfte Weltwirtschaft belastet insbesondere den deutschen Außenhandel. Die Importe sanken im zweiten Quartal gegenüber dem Vorquartal um 0,3 Prozent, die Exporte sogar um 1,3 Prozent. Im dritten Quartal zeichnet sich keine Besserung ab. Die Importe blieben im Juli und August verhalten. Die Exporte verringerten sich im August nach einem leichten Anstieg im Juli wieder. Die Exporterwartungen im Verarbeitenden Gewerbe sind am aktuellen Rand leicht gestiegen, bleiben aber pessimistisch.
Die binnenwirtschaftliche Nachfrage wirkt stabilisierend. Die Investitionen konnten im zweiten Quartal insgesamt zulegen. Für das dritte Quartal sind die Signale gemischt. Während die Auftragseingänge der Investitionsgüterproduzenten erneut an Schwung verloren, sind die Umsätze im August gestiegen. Die aktuelle Geschäftslage und die Erwartung an die zukünftige Konjunktur werden von den Investitionsgüterproduzenten weiterhin wenig optimistisch eingeschätzt. Die Produktion im Baugewerbe und die Auftragseingänge im Bauhauptgewerbe sind am aktuellen Rand gesunken, befinden sich aber trotzdem auf hohem Niveau. Die Baugenehmigungen haben in den letzten Monaten tendenziell weiter zugenommen, das Geschäftsklima im Bauhauptgewerbe ist weiterhin sehr gut.
Die binnenwirtschaftliche Nachfrage wird zudem durch den Konsum gestärkt. Sowohl der private als auch der staatliche Konsum konnten im zweiten Quartal zulegen. Auch im dritten Quartal werden durch den Konsum voraussichtlich positive Impulse gesetzt. Dazu tragen die insgesamt gute Arbeitsmarktlage und niedrige Anlagezinsen bei. Die Umsätze im Einzelhandel befinden sich auf hohem Niveau. Das Konsumklima weist ebenfalls einen hohen Stand aus, wenngleich es im Durchschnitt der Monate des dritten Quartals geringer ausfällt als noch im Vorquartal.
Der Arbeitsmarkt verliert nach einem besonders guten Vormonat wieder leicht an Dynamik. Die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung hat zugenommen, aber auch die Arbeitslosigkeit ist etwas gestiegen. Der Anstieg der Arbeitslosigkeit ist durch die allgemeine konjunkturelle Schwäche bedingt, die insbesondere die Arbeitslosigkeit im Rechtskreis SGB III ansteigen lässt. Der Bestand und der Zugang an offenen Stellen ist erneut rückläufig. Sowohl die Arbeitsmarktkomponente als auch die Beschäftigungskomponente des IAB-Arbeitsmarktbarometers sind im Oktober leicht rückläufig. Insgesamt fiel das Barometer damit um 0,5 Punkte auf einen Wert von 101,4 Punkten.

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