
Knapp zwei Prozent der deutschen Betriebe haben bislang Geflüchtete aus der Ukraine eingestellt
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Prof. Dr. Wolfgang Dauth leitet den Forschungsbereich „Regionale Arbeitsmärkte“ am IAB.
Herr Dauth, in dem Forschungsbericht kritisieren Sie die aktuelle staatliche Verteilungspolitik der ukrainischen Geflüchteten. Welche Probleme sehen Sie?
Die derzeitige Politik sieht vor, dass ukrainische Geflüchtete ihren Aufenthaltsort frei wählen dürfen, sofern sie privat bei Verwandten oder Bekannten untergebracht und versorgt werden können. Das befürworten wir ausdrücklich, denn dadurch profitieren sie von persönlichen Netzwerken, die einen ausgesprochen günstigen Effekt auf die weitere Integration haben. Für alle anderen Geflüchteten ist jedoch eine Verteilung nach dem sogenannten Königsteiner Schlüssel auf die Bundesländer vorgesehen. Gemäß diesem Schlüssel erfolgt die Verteilung zu einem Drittel nach der Bevölkerungszahl und zu zwei Dritteln nach dem Steueraufkommen. Die Länder verteilen sie weiter auf die Kommunen, häufig nach Bevölkerung und der Verfügbarkeit von Wohnraum. Wir sehen kritisch, dass keine spezifischen regionalen Faktoren berücksichtigt werden, die eine erfolgreiche Integration unterstützen oder behindern können. Schon 2015 und 2016 wurde die Arbeitsmarktintegration von Geflüchteten erheblich dadurch beeinträchtigt, dass sie sich weit überdurchschnittlich in Regionen mit hoher Arbeitslosigkeit niederlassen mussten. Die gleiche Gefahr sehen wir jetzt: Dass die ukrainischen Geflüchteten auf strukturschwache Regionen verteilt werden, in denen sie nur schwer auf dem Arbeitsmarkt Fuß fassen können.
Für eine gelungene Integration in die Gesellschaft spielt es eine große Rolle, ob die Person einer Erwerbstätigkeit nachgeht.
Sie haben deshalb einen eigenen Verteilungsmechanismus entwickelt, der die Integration der Geflüchteten stärker in den Blick nimmt. Auf welchen Kriterien basiert dieser?
Bei unserem Verteilungsschlüssel berücksichtigen wir die Aufnahmefähigkeit des lokalen Arbeitsmarktes, der Kinderbetreuungseinrichtungen und des Wohnungsmarktes. Der Arbeitsmarkt erhält hierbei das größte Gewicht. Für eine gelungene Integration in die Gesellschaft spielt es eine große Rolle, ob die Person einer Erwerbstätigkeit nachgeht. Da wir leider nicht absehen können, ob und wann eine Rückkehr der Geflüchteten in die Ukraine möglich ist, müssen wir also die Perspektive des Arbeitsmarktes bereits jetzt berücksichtigen. Eine Besonderheit der aktuellen Situation ist außerdem, dass viele der Geflüchteten Mütter mit ihren Kindern sind. Damit diese Frauen arbeiten können, ist eine Kinderbetreuung notwendig. Deren regionale Verfügbarkeit sollte also ebenfalls bei der Verteilung berücksichtigt werden.
Wie schätzen Sie die Kosten und Nutzen der von Ihnen vorgeschlagenen Verteilung ein, im Vergleich zur aktuellen Politik?
Eine Verteilung nach unserem Vorschlag würde bedeuten, dass sich Geflüchtete häufiger in Regionen niederlassen können, die einen dynamischen Arbeitsmarkt haben. Typischerweise sind solche Regionen aber grundsätzlich attraktiv und haben daher einen angespannten Wohnungsmarkt. Die Kosten der Unterbringung würden also anfänglich höher liegen. Diese Investition würde sich aber für den öffentlichen Haushalt auszahlen, da erwerbstätige Personen für ihre Unterkunft und Versorgung entweder selbst aufkommen können oder nur in geringerem Maße staatliche Unterstützung benötigen. Daneben hat eine gelungene Integration natürlich auch erhebliche nicht-monetäre Vorteile für die Gesellschaft und die Geflüchteten selbst.
Brücker, Herbert; Dauth Wolfgang; Haas, Anette; Jaschke, Philipp; Kosyakova, Yuliya; Mense, Andreas; Moritz, Michael ; Phan thi Hong, Van; Wolf, Katja (2022): Ein Vorschlag zur Verteilung von Geflüchteten aus der Ukraine. IAB-Forschungsbericht Nr. 5.

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