
Teilqualifizierungen – wie häufig werden sie eingesetzt und wer nimmt teil?
Teilqualifizierungen dienen dazu, Qualifikationsdefizite von Beschäftigten und Arbeitslosen abzubauen. Sie bestehen aus verschiedenen inhaltlichen…

Menschen müssen über die Möglichkeiten und Chancen informiert sein, die sich ihnen am Arbeitsmarkt bieten, um möglichst gute Entscheidungen treffen zu können. Genau hierfür hat die Bundesagentur für Arbeit das Berufsberatungstool „New Plan“ entwickelt. Ein Forschungsteam hat analysiert, wer dieses Angebot schon kennt oder schon genutzt hat – und ob vorab verschickte Informationsschreiben dies beeinflussen.
In der heutigen Arbeitswelt reicht es in der Regel nicht mehr aus, einmal im Leben einen Beruf zu erlernen. Innerhalb von Berufen und Betrieben verändern sich die Anforderungen, eine Weiterbeschäftigung oder eine Karriere im Betrieb können auch im bisherigen Beruf neue Kenntnisse und Fähigkeiten erfordern. Teils kann auch eine berufliche Umorientierung sinnvoll sein, etwa weil sich dadurch die Arbeitsmarktchancen oder die Verdienstmöglichkeiten verbessern.
Von besonderer Bedeutung kann die berufliche Weiterentwicklung oder Umorientierung für Personen in Helfertätigkeiten und für Geringqualifizierte sein. Zum einen sind ihre Verdienstmöglichkeiten schlechter als die anderer Beschäftigtengruppen, zum anderen ist ihr Arbeitslosigkeitsrisiko deutlich höher.
Die Bundesagentur für Arbeit (BA) hat daher ihre Berufs- und Weiterbildungsberatung in den letzten Jahren deutlich ausgebaut. In diesem Rahmen hat sie auch das Online-Tool New Plan entwickelt. Damit stellt sie online leicht zugängliche Informationen zu Möglichkeiten der beruflichen Weiterentwicklung und zu möglichen Alternativberufen bereit. Dies soll Menschen dabei helfen, im Beruf voranzukommen, die eigenen Stärken zu erkennen und neue Perspektiven zu finden.
Das Tool besteht aus drei Bereichen. Im ersten Bereich „Möglichkeiten testen“ können Menschen ihre Kompetenzen besser kennenlernen. Auf Basis psychologisch fundierter Tests und Selbsteinschätzungsverfahren können sie Einschätzungen zu passenden beruflichen Aufgabenbereichen und Aufstiegsweiterbildungen in ihrem Beruf erhalten. Zudem können sie auf Basis der Testergebnisse (und etwaiger beruflicher Vorerfahrungen) Vorschläge zu beruflichen Alternativen erhalten, die sich unter den gegebenen Voraussetzungen relativ schnell realisieren lassen.
Der zweite Bereich „Inspirieren lassen“ stellt nach Eingabe des aktuellen oder ehemaligen Berufs Informationen zu den Löhnen und Stellenangeboten in möglichen Alternativberufen bereit. Um mögliche Alternativberufe zu identifizieren, wird ausgewertet, in welche Berufe Menschen in der Vergangenheit aus einem bestimmten Beruf gewechselt sind. Wenn Menschen diese Informationen nutzen, könnte dies sowohl die Bereitschaft zu beruflicher Mobilität verbessern als auch die Suche nach einer neuen Arbeitsstelle effizienter machen.
Der dritte Bereich „Weiterbildung suchen“ ermöglicht schließlich die Online-Suche nach passenden Weiterbildungsangeboten in der Region – sowohl für Aufstiegsweiterbildungen als auch für berufliche Qualifizierungen.
Im IAB-Forschungsbericht 1/2024 sind die Autor*innen dieses Beitrags unter anderem der Frage nachgegangen, wie häufig bestimmte Personengruppen das Online-Tool „New Plan“ bereits kennen und nutzen. Grundlage ihrer Auswertungen ist eine Befragung von Menschen, die entweder vollzeitbeschäftigt waren oder Arbeitslosengeld bezogen haben (siehe Infokasten „Befragung“).
Die Hälfte der zur Befragung eingeladenen Personen erhielt vier Wochen vor der Einladung ein Informationsschreiben, in dem es unter anderem hieß:
„Haben Sie schon einmal darüber nachgedacht, sich beruflich neu zu orientieren? Eine Neuorientierung kann dazu beitragen, sich beruflich zu verbessern oder Arbeitslosigkeit zu vermeiden. Die Bundesagentur für Arbeit hat genau hierfür das Online-Erkundungstool New Plan entwickelt, das die Menschen bei der beruflichen Umorientierung aktiv unterstützen soll. Hierzu werden Information zu Alternativberufen, wie z. B. Verdienstmöglichkeiten, Beschäftigungschancen und Stellenverfügbarkeit, übersichtlich und individuell zugeschnitten bereitgestellt. Wir möchten Sie hiermit einladen, dieses neue Instrument einmal auszuprobieren. Die Nutzung von New Plan ist kostenlos.“
Ein QR-Code führte dann zu dem Tool. Ein zentrales Ziel der Befragung war es zu erheben, ob die Befragten – sowohl solche ohne als auch solche mit vorherigem Informationsschreiben – bereits von diesem Online-Tool gehört beziehungsweise dieses auch genutzt hatten.
Unter den befragten Vollzeitbeschäftigten war der Anteil derjenigen, die „New Plan“ bereits kannten, deutlich geringer als unter Arbeitslosengeldbezieher*innen (siehe Abbildung 1). Ohne vorheriges Informationsschreiben betrugen die jeweiligen Anteile rund 2 beziehungsweise 11 Prozent. Bei Beschäftigten in Helfertätigkeiten und Arbeitslosengeldempfänger*innen ohne Berufsabschluss, die kein Informationsschreiben erhalten hatten, lagen die Anteile mit 6 und mit 14 Prozent signifikant höher.

Außerdem gaben deutlich mehr Personen an, „New Plan“ zu kennen, wenn sie vorher das Informationsschreiben erhalten hatten. Die Unterschiede gegenüber denjenigen, die kein solches Schreiben erhalten hatten, sind auch statistisch signifikant. Der größte Unterschied findet sich mit 14 Prozentpunkten bei den Vollzeitbeschäftigten und Arbeitslosengeldempfänger*innen, der geringste Unterschied mit 5 Prozentpunkten bei den Arbeitslosengeldempfänger*innen ohne Berufsabschluss. Auch unter denen mit vorherigem Informationsschreiben gaben aber je nach betrachteter Gruppe 75 bis 87 Prozent an, das Tool nicht zu kennen (im Mittel 80 Prozent).
Nicht alle Personen, die angaben, „New Plan“ zu kennen, hatten das Tool bereits im Internet angeschaut. Abbildung 2 zeigt: Ohne Informationsschreiben hatten Vollzeitbeschäftigte das Tool nach eigenen Angaben deutlich seltener angeschaut als Arbeitslosengeldempfänger*innen (0,3 versus 8 Prozent).

Ebenfalls ohne Informationsschreiben hatten sich Vollzeitbeschäftigte in Helfertätigkeiten das Tool bereits deutlich häufiger angeschaut als der Durchschnitt aller Vollzeitbeschäftigten (3 versus 0,3 Prozent). Anders bei den Arbeitslosengeldempfänger*innen ohne Berufsabschluss: Diese hatten das Tool seltener angeschaut als der Durchschnitt aller Arbeitslosengeldempfänger*innen (6 versus 8 Prozent). Dies bestätigt die bekannten Schwierigkeiten, gerade geringqualifizierte Arbeitslose für eine berufliche Weiterentwicklung zu
gewinnen.
Schließlich zeigt sich, dass die Befragten mit vorherigem Informationsschreiben „New Plan“ nicht nur häufiger kannten, sondern auch häufiger angeschaut hatten als diejenigen ohne ein solches Schreiben. Der Unterschied beträgt sowohl bei den Vollzeitbeschäftigten als auch bei den Arbeitslosengeldempfänger*innen rund 10 Prozentpunkte. Bei den geringqualifizierten Arbeitslosengeldempfänger*innen und den Beschäftigten in Helfertätigkeiten fällt der Unterschied mit 5 beziehungsweise 4 Prozentpunkten deutlich geringer aus.
Im IAB-Forschungsbericht 1/2024 haben Thomas Dohmen und seine Koautor*innen auch untersucht, ob der Bereich „Inspirieren lassen“ eher dazu genutzt wurde, sich über mögliche Verdienste oder über Stellenangebote zu informieren. Demnach waren Stellenangebote meist von etwas höherem Interesse als die Gehälter. Generell, so ein weiterer Befund ihrer Studie, ist der Anteil der Vollzeitbeschäftigten, die überhaupt ein Interesse an beruflicher Weiterbildung bekunden, mit knapp zwei Drittel etwas niedriger als bei Arbeitslosengeldempfänger*innen, wo dieser Anteil bei knapp drei Vierteln liegt.
Ein weiteres Ergebnis der Untersuchung: Gut die Hälfte der Vollzeitbeschäftigten und Arbeitslosengeldempfänger*innen fühlt sich gut über ihre Verdienstmöglichkeiten und Beschäftigungschancen am Arbeitsmarkt informiert. Zugleich zeigen sich die größten Informationsdefizite bei Vollzeitbeschäftigten in Helfertätigkeiten.
Der Abbau von Informationsdefiziten kann dazu beitragen, dass Angebot und Nachfrage am Arbeitsmarkt besser zueinander finden. Hierzu können frei verfügbare Online-Tools beitragen. Mit „New Plan“ hat die BA ein entsprechendes Angebot entwickelt, das Informationen zu Möglichkeiten der beruflichen Weiterentwicklung und zu möglichen Alternativberufen bereitstellt.
Die Befragungsergebnisse weisen darauf hin, dass der Bekanntheitsgrad dieses Tools noch ausbaufähig ist. Bereits durch einfache Informationsschreiben lässt sich der Anteil der Personen, die das Tool kennen und gegebenenfalls auch nutzen, deutlich erhöhen. Der Anteil derjenigen, die es nach eigenen Angaben nicht kannten, betrug allerdings selbst unter denjenigen, die das Schreiben erhalten hatten, im Mittel 80 Prozent. In späteren Auswertungen wird das IAB der Frage nachgehen, ob sich das Informationsschreiben auch auf die tatsächliche berufliche Weiterentwicklung der Empfänger*innen ausgewirkt hat.
Dohmen, Thomas; Kleifgen, Eva; Künn, Steffen; Stephan, Gesine (2024): „New Plan“, berufliche Weiterentwicklung und die Rolle von Informationen. IAB-Forschungsbericht Nr. 1.
Die Befragung ist Teil einer größeren Studie zu Perspektiven im Erwerbsleben. Im Juni 2022 lud das IAB 150.000 Personen zur Teilnahme an einer Online-Befragung ein. Die anzuschreibenden Personen wurden zufällig aus vier Personengruppen ausgewählt, wobei die Informationen zum Erwerbsstatus etwa fünf Monate alt waren: 1a) sozialversicherungspflichtig Beschäftigte (einschließlich Personen in Helfertätigkeiten), 1b) sozialversicherungspflichtig Beschäftigte in Helfertätigkeiten, 2a) Arbeitslosengeldempfänger*innen (einschließlich Personen ohne Berufsabschluss), 2b) Arbeitslosengeldempfänger*innen ohne Berufsabschluss.
Die Gruppen 1a) und 2a) sind repräsentative Stichproben aller Beschäftigten beziehungsweise Arbeitslosengeldempfänger*innen, während die Gruppen 1b) und 2b) ergänzend einen besonderen Fokus auf Personen legen, für die berufliche Weiterentwicklung beziehungsweise berufliche Mobilität von besonderer Bedeutung sein dürften.
Insgesamt konnten für die Auswertungen die Antworten von 4.417 Personen analysiert werden. Für diese wurden Gewichte berechnet, um die Antworten entsprechend der Verteilung der persönlichen Merkmale in den Grundgesamtheiten zu gewichten.
Bild: Halfpoint/stock.adobe.com

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