
Eltern im Homeoffice arbeiten im Durchschnitt länger
Mit der zunehmenden Verbreitung mobiler Arbeitsformen rückt Homeoffice verstärkt in den Fokus familien- und arbeitsmarktpolitischer Debatten. Es gilt…

Seit der Covid-19-Pandemie ist der Anteil der Beschäftigten, die zumindest einige Tage in der Woche im Homeoffice arbeiten, deutlich gestiegen. Nach Ergebnissen des „Hochfrequenten Online Personen Panels“ (IAB-HOPP, siehe Infokasten „Daten“) haben vor der Pandemie rund 41 Prozent der abhängig Beschäftigten, die die Möglichkeit zur Arbeit im Homeoffice hatten, diese Option zumindest zeitweise wahrgenommen. Dagegen arbeiteten zwei Jahre nach dem Ausbruch der Pandemie rund drei Viertel dieser Beschäftigten von zu Hause aus.
Die Nutzung digitaler Technologien für die arbeitsbezogene Kommunikation und ortsunabhängiges Arbeiten sind damit für viele Beschäftigte zur Normalität geworden und haben ihre Arbeitsweise grundlegend verändert. Angesichts dieses Wandels stellt sich die Frage, wie Beschäftigte unter den veränderten Arbeitsbedingungen Präsenz im Digitalen herstellen.
Diese Frage ist von großer Bedeutung, weil digitale Informations- und Kommunikationstechnologien sowie das zeit- und ortsflexible Arbeiten für die Beschäftigten und die Betriebe sowohl Chancen bieten als auch mit diversen Risiken verbunden sein können.
Wenn Beschäftigte digitale Präsenz herstellen können, bleiben sie auch beim ortsunabhängigen Arbeiten sichtbar und können weiterhin an der Arbeitskommunikation teilhaben. Beides ist eine wesentliche Voraussetzung dafür, dass sich ortsunabhängiges Arbeiten nicht negativ auf berufliche Weiterentwicklungen auswirkt, wie Lott und Abendroth in ihrer Studie aus dem Jahr 2023 zeigen.
Gleichzeitig birgt digitale Präsenz die Gefahr, dass Vorgesetzte, Kolleg*innen und Kund*innen dauerhafte Verfügbarkeit erwarten und einfordern. Das kann sowohl die Ausweitung in Form von Überstunden und Mehrarbeit als auch die Intensivierung von Arbeit vorantreiben. Die aktive und passive Nutzung digitaler Kommunikationsmittel kann die Grenzen zwischen Berufs- und Privatleben verschwimmen lassen.
Im Folgenden wird dargestellt, wie Beschäftigte digital Präsenz zeigen und wie weit verbreitet diese sechs Facetten digitalen Präsenzverhaltens sind:
Zudem wird gezeigt, welche Unterschiede es hierbei zwischen Frauen und Männern gibt und welche Rolle das Ausmaß, in dem Homeoffice genutzt wird, spielt. Hierzu werden verschiedene Aussagen zur Erreichbarkeit und Arbeitsweise im Homeoffice (siehe Infokasten „Daten“) näher in den Blick genommen.
Die Datenbasis bildet die oben bereits erwähnte Befragung IAB-HOPP. Hier werden abhängig Beschäftigte betrachtet, die die Möglichkeit haben, im Homeoffice zu arbeiten, und deren Beruf hauptsächlich analytische oder interaktive Nichtroutineaufgaben oder kognitive Routineaufgaben, also keine manuellen Hauptaufgaben, umfasst.
Die IAB-HOPP-Daten der Wellen acht und neun aus den Jahren 2021 und 2022 (jeweils April bis Juni) geben Aufschluss darüber, wie Beschäftigte, die zumindest zeitweise von zu Hause aus arbeiteten, im Homeoffice erreichbar und sichtbar waren, im Digitalen Anwesenheit signalisierten, an Besprechungen teilnahmen und ob sie zeitgleich auch mal andere Dinge erledigten (siehe Abbildung 1).
Im Frühjahr 2021 gaben 41 Prozent der Beschäftigten an, dass sie im Homeoffice auch außerhalb der Büroarbeitszeiten beruflich digital erreichbar waren („digitale Verfügbarkeit“). Ein Jahr später war dies noch bei rund 36 Prozent der Fall. 28 Prozent (2022: 26 Prozent) beantworteten auch früh morgens oder spät abends Nachrichten und etwa 40 Prozent bemühten sich zu zeigen, woran sie gearbeitet und was sie erledigt hatten („digitale Sichtbarkeit“).
Rund 8 Prozent der Beschäftigten nahmen zu beiden Zeitpunkten manchmal nur an Besprechungen teil, um ihre Anwesenheit zu signalisieren („digitales Vortäuschen“), und 29 Prozent (2022: 32 Prozent) nahmen dank digitaler Technologien an Besprechungen teil, zu denen sie ansonsten nicht gegangen wären („digitale Teilhabe“). Andere Dinge während der Teilnahme an digitalen Besprechungen erledigten knapp 27 Prozent (2022: 28 Prozent) der Beschäftigten („digitales Multitasking“).

Bei Frauen waren die hier betrachteten Facetten des digitalen Präsenzverhaltens meist seltener zu beobachten als bei Männern (siehe Abbildung 2). Die größten Unterschiede von fast 10 Prozentpunkten (2021) gab es bei der digitalen Verfügbarkeit auch außerhalb der regulären Bürozeiten und im digitalen Multitasking, also in der Erledigung anderer Dinge während digitaler Besprechungen (8 Prozentpunkte in beiden Jahren).
Frauen nutzten im Homeoffice am häufigsten die Möglichkeit der digitalen Sichtbarkeit, um zu zeigen, woran sie arbeiteten und was sie erreicht hatten. Auch Männer taten dies zu einem hohen Anteil. Am weitesten verbreitet war bei Männern die digitale Verfügbarkeit.

Unterschiede im digitalen Präsenzverhalten zeigen sich nicht nur zwischen den Geschlechtern, sondern auch in Abhängigkeit vom Anteil der wöchentlichen Arbeitszeit, den die Beschäftigten im Homeoffice verbringen.
Beschäftigte, die zu einem geringeren Anteil von zu Hause aus arbeiteten, waren zu einem höheren Anteil auch außerhalb der Büroarbeitszeiten digital verfügbar. Kein eindeutiges Bild gibt es hingegen im Hinblick auf die frühe oder späte digitale Korrespondenz. Hier sind die höchsten Anteile bei den Personen zu erkennen, deren Homeoffice-Anteil zwischen 25 und 75 Prozent lag.
Beschäftigte mit einem hohen Homeoffice-Anteil bemühten sich eher zu zeigen, woran sie arbeiteten und was sie geschafft hatten als diejenigen mit einem geringeren Homeoffice-Anteil. Nur an Besprechungen teilzunehmen, um Anwesenheit zu signalisieren, war unabhängig vom wöchentlichen Homeoffice-Anteil wenig verbreitet.
Personen mit einem höheren Homeoffice-Anteil nahmen eher an Besprechungen teil, zu denen sie ansonsten nicht gegangen wären, und sie erledigten während der Teilnahme an digitalen Besprechungen auch eher andere Dinge als Beschäftigte, die zu einem geringeren Anteil von zu Hause aus arbeiteten (siehe Abbildung 3).

Der Anteil der Beschäftigten, die zumindest zeitweise im Homeoffice arbeiten, ist seit der Covid-19-Pandemie deutlich gestiegen und die Nutzung arbeitsbezogener digitaler Informations- und Kommunikationstechnologien hat im Zuge dessen ebenfalls zugenommen.
Damit haben sich auch die Arbeitsbedingungen und -anforderungen gewandelt. Das bietet einerseits Chancen für eine vereinfachte und bessere Sichtbarkeit und Teilhabe im Digitalen. Andererseits bestehen aber auch Risiken der Überlastung und Mehrarbeit, unter anderem durch eine erhöhte Verfügbarkeit oder durch die zeitgleiche Erledigung von Terminen und anderen Aufgaben.
Die Ergebnisse zeigen, dass die unterschiedlichen Facetten digitalen Präsenzverhaltens den Alltag von Beschäftigten im Homeoffice prägen. Am weitesten verbreitet ist die digitale Verfügbarkeit auch außerhalb der Bürozeiten, gefolgt von der digitalen Sichtbarkeit.
Ein bedeutsamer Anteil an Beschäftigten hat außerdem angegeben, digitale Technologien zu nutzen, um involviert zu bleiben und Multitasking zu betreiben. Digitales Vortäuschen, also nur an Besprechungen teilzunehmen, um Anwesenheit zu signalisieren, kommt hingegen lediglich bei einem geringen Anteil der Beschäftigten häufig vor.
Wichtig ist auch zu betonen, dass die verschiedenen Facetten nicht bei allen Beschäftigtengruppen in gleichem Ausmaß verbreitet waren. So nutzten Frauen im Homeoffice am häufigsten die Möglichkeit der digitalen Sichtbarkeit, während bei den Männern neben der digitalen Sichtbarkeit auch die digitale Verfügbarkeit weit verbreitet war.
Außerdem ist zu erkennen, dass Beschäftigte mit einem geringeren Homeoffice-Anteil die unterschiedlichen Facetten des digitalen Präsenzverhaltens tendenziell weniger anwendeten als Beschäftigte mit einem höheren Homeoffice-Anteil.
Digitale Technologien können also mit positiven wie auch negativen Auswirkungen genutzt werden, um digital Präsenz zu zeigen. Das sollten Betriebe berücksichtigen, wenn sie Regelungen für mobiles Arbeiten festlegen oder ändern, auch im Hinblick auf den Trend zur teilweisen Rückkehr an den Arbeitsplatz. Das gilt für Präferenzen der Beschäftigten und für die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben ebenso wie für den Arbeitsschutz.
Die Datenbasis des vorliegenden Beitrags bildet das „Hochfrequente Online Personen Panel“ (IAB-HOPP) aus der Studie „Leben und Erwerbstätigkeit in Zeiten von Corona“. Diese Onlinebefragung des IAB wurde zwischen Mai 2020 und Juni 2022 in insgesamt neun Wellen hochfrequent durchgeführt, um sowohl kurz- als auch langfristige Veränderungen der Lebens- und Erwerbssituation der Menschen während der Covid-19-Pandemie in Deutschland untersuchen zu können. Mehr dazu findet sich in dem Datenreport von Volkert et al. aus dem Jahr 2022.
Neben einem festen Merkmalskanon über alle Befragungswellen hinweg wurden verschiedene Themenschwerpunkte in die einzelnen Erhebungswellen integriert. Die Wellen acht und neun aus den Jahren 2021 und 2022 enthielten jeweils ein Modul zur Erreichbarkeit und Arbeitsweise im Homeoffice. Konkret wurden unter anderem folgende Aussagen von den Befragten bewertet:
„Nun geht es im Allgemeinen um Ihre Erreichbarkeit und Arbeitsweise, wenn Sie von zu Hause aus arbeiten. Bitte geben Sie für die folgenden Aussagen jeweils an, ob diese „sehr zutreffen“, „eher zutreffen“, „teils/teils“, „eher nicht zutreffen“ oder „gar nicht zutreffen“:
Lott, Yvonne; Abendroth, Anja (2023): Affective commitment, home‐based working and the blurring of work-home boundaries: Evidence from Germany. In: New Technology, Work and Employment, 38 (1), S. 82–102.
Volkert, Marieke; Haas, Georg-Christoph; Zins, Stefan; Bellmann, Lisa; Dummert, Sandra; Haensch, Anna-Carolina; Hensgen, Sophie; Ludsteck, Johannes; Müller, Bettina; Müller, Dana; Osiander, Christopher; Schmidtke, Julia; Stephan, Gesine; Trahms, Annette; Wayment, Heidi (2022): Dokumentation und Codebuch für das Hochfrequente Online Personen Panel „Leben und Erwerbstätigkeit in Zeiten von Corona“ (IAB-HOPP, Wellen 1–8). FDZ-Datenreport Nr. 4 (de), Nürnberg (DOI: 10.5164/IAB.FDZD.2204.de.v1).
Bild: Soloviova Liudmyla/stock.adobe.com

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