
Bei der Arbeitskräftesicherung gilt es, jeden Hebel zu nutzen
Arbeitskräfte werden immer knapper. Viele Stellen können nicht besetzt werden. Doch das ist erst der Anfang, denn die Generation der Baby-Boomer geht…

Die Bildungsungleichheit zwischen Menschen mit und ohne Migrationshintergrund nimmt in Deutschland tendenziell zu. Kinder mit Migrationshintergrund besuchen seltener eine Kita und sind an Hauptschulen über-, an Gymnasien unterrepräsentiert. Im Jahr 2023 verfügten 61,5 Prozent der 20- bis 29-Jährigen ohne Migrationshintergrund über die allgemeine Hochschulreife oder Fachhochschulreife. Bei in Deutschland geborenen Personen mit Migrationshintergrund lag dieser Anteil bei 57 Prozent, bei den im Ausland Geborenen nur bei 36,8 Prozent. Von letzteren hatten 12,3 Prozent keine abgeschlossene Schulausbildung.
Das Bildungsgefälle spiegelt sich auch in den Ergebnissen von Schulleistungstests wie der PISA-Studie wider, bei denen Jugendliche mit Migrationshintergrund im Durchschnitt deutlich schlechter abschneiden. All dies ist umso bedeutsamer, als sehr viele schulpflichtigen Kinder einen Migrationshintergrund aufweisen. Im Jahr 2023 lag dieser Anteil bei 42,3 Prozent.
Die Bildungsungleichheiten setzen sich in der beruflichen Ausbildung fort. Sie sind dort sogar noch ausgeprägter als im Bereich der Hochschulbildung. Die Zahl der nicht formal Qualifizierten, also der Personen ohne abgeschlossene Berufsausbildung, im Alter zwischen 20 und 34 Jahren wuchs zwischen 2015 und 2022 von 1,9 auf über 2,86 Millionen, wobei Migration – insbesondere durch Geflüchtete – wesentlich zu diesem Anstieg beitrug.
Insgesamt lag die Quote der nicht formal Qualifizierten im Jahr 2022 bei 19,1 Prozent – mit erheblichen Unterschieden je nach Migrationshintergrund: 11,6 Prozent bei Personen ohne Migrationshintergrund, 20,4 Prozent bei in Deutschland aufgewachsenen Menschen mit Migrationshintergrund und 39,1 Prozent bei selbst eingewanderten Personen. Dieses Gefälle ist vor allem deswegen so problematisch, weil nicht formal Qualifizierte deutlich höhere Arbeitsmarktrisiken aufweisen: Im Jahr 2022 betrug ihre Arbeitslosenquote 19,8 Prozent, und sie stellen mehr als 60 Prozent der Langzeitarbeitslosen. Zudem verdienen sie im Schnitt deutlich schlechter als Personen mit abgeschlossener beruflicher oder akademischer Ausbildung.
Aufgrund des geringeren Anteils mit beruflichem Abschluss ist die Qualifikationsstruktur von Menschen mit Migrationshintergrund in Deutschland vergleichsweise stark polarisiert. Im Jahr 2022 hatten von den 25- bis 35-Jährigen ohne Migrationshintergrund 28 Prozent einen Hochschulabschluss, 64 Prozent einen nichtakademischen Berufsabschluss und 8 Prozent keinen beruflichen Abschluss. Bei in Deutschland geborenen Menschen mit Migrationshintergrund lagen diese Anteile bei 24, 57 und 19 Prozent, bei den im Ausland Geborenen bei 31, 33 und 34 Prozent. Auffällig ist der vergleichsweise niedrige Anteil beruflicher Abschlüsse bei Menschen mit Migrationshintergrund, während der Anteil mit Hochschulabschluss sogar überdurchschnittlich hoch ist.
Im Folgenden werden sechs zentrale Gründe für den vergleichsweise niedrigen Anteil beruflich ausgebildeter Menschen mit Migrationshintergrund benannt.
Um die bislang ungenutzten Fachkräftepotenziale von Menschen mit Migrationshintergrund besser zu erschließen, gilt es insbesondere, mehr Menschen mit Migrationshintergrund für eine berufliche Ausbildung zu gewinnen. Dafür sollten zum einen die Vorteile der beruflichen Ausbildung gezielter vermittelt, zum anderen spezifische Zugangsbarrieren abgebaut und individuelle Unterstützungsbedarfe stärker berücksichtigt werden. Gleichzeitig sollte das Bewusstsein dafür gestärkt werden, dass die langfristigen Perspektiven im Helferarbeitsmarkt deutlich schlechter sind.
Bild: peopleimages.com/stock.adobe.com
DOI: 10.48720/IAB.FOO.20250919.01

Arbeitskräfte werden immer knapper. Viele Stellen können nicht besetzt werden. Doch das ist erst der Anfang, denn die Generation der Baby-Boomer geht…

Geringqualifizierte sind bezüglich ihrer Kompetenzausstattung eine äußerst heterogene Gruppe. Für einen nicht unerheblichen Teil wurden hohe oder…

Trotz vieler unbesetzter Ausbildungsstellen sank die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge 2024 erneut und liegt weiterhin deutlich unter…